Swinemünder beleben Fischhandel-Tradition neu

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Nach vielen Jahren wurde in Swinemünde wieder ein Fischmarkt eröffnet. Am vergangenen Donnerstag wurden zwei Fischverkaufswagen auf dem Grünen Markt an der Kollataja Straße aufgestellt. In einem wurden frische Fische und im zweiten Räucherware verkauft. Das Kundeninteresse war riesig. Gleich am ersten Tag wurde in nur wenigen Stunden fast die gesamte Ware verkauft. Das größte Interesse weckte der frische Fisch.

„Ich hatte ein solches Interesse nicht erwartet, ich bin überrscht“, sagt Irena Patryjas, die den Fischverkauf
auf dem Markt führt. Im Verkauf waren fast alle gängigen Fischgattungen; Dorsch, Maräne, Quappe, Hecht, Hering, Barsch, Zander, Flunder und Seeforelle. Alle wurden von den Swinemünder Fischern in der Ostsee gefangen. Die Preise waren sehr ansprechend. Ein Kilogramm Hering und Flunder kosteten 5 Zloty, ein Kilogramm Kabeljau 12 Zloty. Am teuersten war Zander, der für 30 Zloty pro Kilogramm über den Tresen
ging. Etwas teurer waren Räucherprodukte. Für jeweils ein Kilogramm Heringsfilet wurden 21 Zloty, Makrelen-Fisch-Spieße 27 Zloty und Lachsfilet 75 Zloty gezahlt. Das ist deutlich günstiger als in den Fischbratereien an der Promenade. Hier wird kaum der von den Swinemündern gefangene Fisch verarbeitet, doch die Preise sind schwindelerregend. Ein Kilogramm zubereiteten Fisch tiefgefroren kostet dort sogar 80 Zloty. Das erklärt, weshalb die Einwohner über die direkte Kaufmöglichkeit der Fische bei den Fischern überaus erfreut sind.

„Endlich hat jemand nachgedacht. So viele Jahre konntemanin der Stadt keinen Frischfisch kaufen, das ist eine Schande! Nebenan in Deutschland gibt es ein solches Problem nicht“, sagte ein Kunde.

Der Grüne Markt ist von Montag bis ein schließlich Samstag geöffnet, Pavillons mit Fisch solltenmöglichst
während dieser Zeit geöffnet sein. Doch alles hängt davon ab, wie viel Ware es gibt und wie schnell sie verkauft wird. Es ist damit zu rechnen, dass Angebot und Nachfrage weiter auseinander driften und es am Nachmittag nur wenig oder überhaupt keinen Frischfisch geben wird. Irena Patryjas sagt, dass ihr Fischverkauf ein familien geführtes Unternehmen ist. Ihr Mann und ihre beiden Söhne sind Fischer. Sie beschlossen, das Geschäft zu erweitern, denn der diesjährige Fischfang in der Ostsee ist miserabel. Daher
haben sie die EU-Mittel genutzt und Kühlwagen gekauft. „Es ist schwer, nur von einer Tätigkeit zu leben. Allein für die Krankenversicherung zahlen wir ein paar tausend Zloty pro Monat. Ich dachte deshalb, dass der Verkauf von frischem Fisch eine gute Idee ist“, sagt Irena Patryjas.

Wenn der Fischverkauf weiter so gut angenommen wird, könnte ein ähnlicher Markt am Ufer Wladyslawa IV (Swineufer) entstehen, was die Rückkehr einer Vorkriegstradition bedeutet. Damals war der Fischmarkt am Ufer voller Leben. Wie der Historiker und langjährige Museumschef Dr. Jósef Plucinski in seinen Publikationen betont, war Fischfang seit Jahrhunderten die Haupteinnahmequelle für viele Insulaner auf Wollin und Usedom.
Die Bedingungen dafür waren in der Region ideal.

„Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts waren Fischer die zweitgrößte Berufsgruppe auf der Insel Usedom. In der Zwischenkriegszeit blieb Swinemünde noch der Sitz des Fischerviertels, wo 407 Mitglieder dieses Berufs registriert waren“, beschreibt Plucinski.

Quelle: Ostsee Zeitung

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