In der Jahreszeit, wenn der Sturm die Ostseeküste aufwühlt und das raue Klima des nördlichen Europas die Mützen und Schals anziehen lässt, kann man schwer glauben, dass sich auf der Insel Usedom eine echte tropische Oase befindet, die mit Bananenstauden, Ananas, Ingwer und Vanillepflanzen bepflanzt ist. Die exotischen Pflanzen schmücken den Innenraum einer alten Tennishalle im Seebad Trassenheide, in welchem sich die größte Schmetterlingsfarm Europas befindet.
Die Eigentümer, Sabine und Hilmar Lehmann, haben 15 Jahre lang in Thailand gewohnt. Die Faszination ihrer Familie für exotische Insekten reicht über viele Generationen zurück. Der Vater und der Großvater von Hilmar Lehmann waren Entomologen. Die Tropen hat auch sein Urgroßvater erforscht. Einige Insekten, die man in Trassenheide bewundern kann, hat der Eigentümer der Schmetterlingsfarm selbst entdeckt und beschrieben (diese sind mit kleinen roten Zetteln markiert).
Ringsherum exotische Schmetterlinge
Die Besichtigung der Farm, die eine Fläche von insgesamt fünftausend Quadratmeter hat, beginnt in der großen Halle, die die Hälfte der Gesamtfläche der Anlage umfasst. Blitzschnell versetzen wir uns in die Tropen: warm, schwere Luft von der Feuchtigkeit, große Früchte tragende Bananenstauden, blühende exotische Blumen.
„Abhängig von der Jahreszeit leben in dieser Flughalle zwischen 1.500 und mehr als 2.000 Schmetterlinge aus unterschiedlichsten tropischen Regionen der Welt“, verrät Olivier Pielmann, ein Mitarbeiter der Schmetterlingsfarm.
Schnell überzeugen wir uns, dass die Beobachtung der Schmetterlinge gar nicht so einfach ist. Unser Begleiter beugt sich ein wenig hinunter und zeigt auf einen Zweig, auf dem … ein transparenter Falter sitzt. Wesentlich weniger Schwierigkeiten bereitet den Besuchern die Beobachtung des Atlasspinners (lat. Attacus atlas). Dieses Insekt gilt als der größte Schmetterling der Welt. Der Riesenfalter erreicht eine Spannweite bis zu 28 cm.
Entpuppungstelle
Unter den exotischen Pflanzen kann man die Entwicklungsstufen dieser Insekte beobachten: vom Ei über die Raupe und Puppe bis hin zum Falter. Es gibt auch einen speziellen Raum dafür. Hier befinden sich Kokons und Puppen, die die Eigentümer der Farm in tropischen Regionen kaufen.
„Der Transport der Kokons ist nicht problematisch. Es reicht, wenn man die Behälter mit etwas Weichem auskleidet. Der Versand von Faltern ist natürlich nicht möglich“, erklärt Olivier Pielmann, der grade einen Schmetterling im Puppenstadium auf den Finger nimmt und ihn in die Höhe wirft. Doch dessen Flügel sind noch zu nass, und die Insektenlarve kehrt mit unsicheren Flügelbewegungen in die Hülle zurück.
Skorpione, Vogelspinnen und andere „Schmusetiere“
Die Schmetterlinge sind jedoch nicht die einzigen Bewohner der Farm in Trassenheide. In 15 Terrarien leben hier einige der häufig als geheimnisumwoben bezeichneten Tiere– Vogelspinnen.
„Spinnen aus dieser Familie sehen gefährlich aus, aber die Mehrheit ist nicht allzu giftig“, beruhigt uns der Experte Olivier Pielmann.
Am Eingang sitzt ein echter Wächter, der dieses Objekt genau beobachtet: ein junger Papagei namens Otto. Er nimmt seine Mission sehr ernst, begrüßt die Besucher und verabschiedet sich von ihnen. Und in den Pausen… verbiegt er das Gitter mit seinem kräftigen Schnabel, um dann ein bisschen durch den tropischen Wald zu flattern.
Text und fot. mb
Die Öffnungszeiten sind in der multimedialen Präsentation zu finden.
Wiesenweg 5 (przy dworcu UBB w Trassenheide)
17449 Trassenheide
Tel. +49 38371 28218
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