Das Pferd – wie es aussieht, weiß jeder. Es gibt Zugpferde, die hart auf dem Acker oder vor der Kutsche arbeiten. Es gibt auch die berühmten Araberhengste mit glänzendem Fell, die für Millionen von Dollar verkauft werden. Schließlich gibt es auch geschickte Pferde, die mit ihrem Reiter über Hindernisse springen. Aber wer hat schon einmal ein Pferd in der Rolle eines Schauspielers gesehen? Hierbei handelt es sich nicht um irgendwelche Zirkustricks, sondern um phantasievolle Spektakel in einer eher ungewöhnlichen Arena, vorgeführt im „Pferdetheater“ in Bannemin.
Sechs Monate dauernde Vorbereitungen
Alles ist perfekt geplant, mit dem entsprechenden Bühnenbild, angemessener Kleidung und Musik. In der Mitte des Auslaufs ein Violoncellist. Rund um ihn herum agiert geschickt ein Pferd im Takt der Musik.
Die Vorbereitungen auf den Auftritt dauern ein halbes Jahr. Zuerst überlegt sich Leon Vermeulen die Idee des Spektakels. Dann übt er mit seinen Schauspielern. Die Reiter müssen im Einklang miteinander, dann auch mit den Pferden und der Musik sein… Die Akteure üben ausdauernd täglich mehrere Stunden. Unser Gesprächspartner sitzt sogar jeden Tag fünf Stunden im Sattel.
Mehrere hundert Zuschauer bei einem Spektakel
Die Spektakel erfreuen sich so großer Beliebtheit, dass an jeder Vorstellung jeweils mehrere hundert Gäste teilnehmen.
„Viele Touristen kehren immer wieder zurück, weil die Spektakel jeden Sommer anders sind“, sagt Leon Vermeulen.
Es gab schon Zigeunerszenen, Cowboyszenen, die an den amerikanischen Western mit John Wayne erinnerten, sowie märchenhafte, orientalische- u.a. Szenen.
Die Veranstaltungen sind so wunderbar und zauberhaft, dass das Pferdetheater auch an anderen Spielorten seine Spektakel veranstaltet. Es ist schwer, alles in Einklang zu bringen, denn man muss stets an einem Ort alle Dresseure zusammenbringen, die dann mit den Pferden trainieren.
Kam eigentlich nur für einen kurzen Augenblick, blieb dann aber für viele Jahre
Leon Vermeulen kam aus Belgien nach Deutschland. Er richtet die Tiere seit Jahren ab. Zuerst ging er für kurze Zeit nach Berlin, wo sein Bekannter Tiere dressierte. Als er feststellte, dass es ihm an Profis in diesem Genre fehlte, ist er für immer nach Bannemin gezogen. Dieses Reiterzentrum und das „Pferdetheater“ entstanden auf der Insel Usedom auf dem Areal eines ehemaligen staatlichen Landwirtschaftsbetriebes. In den sich auf diesem Gelände verteilten Gebäuden leben 90 Pferde!
„Unter ihnen sind aber echte Stars“, erklärt der Trainer, der sich an die schöne Mähne des schokobraunen Diors schmiegt. „Das sind sehr gelehrige Tiere. Sie passen sich dem Menschen an und erkennen ihn schon, wenn er in der Nähe ist. Sie lernen schnell und können Wunder vollbringen. Fliegen können sie zwar nicht” scherzt Herr Vermeulen, „aber manchmal haben wir aber den Eindruck, als würden sie in der Luft schweben …“
Die Spektakel im „Pferdetheater” in Bannemin finden im Sommer statt. Im Juli und August werden zwei Auftritte wöchentlich organisiert – jeden Montag und Mittwoch. Das benachbarte Reiterzentrum ist ganzjährig geöffnet. Dort werden u.a. Kutschfahrten entlang des Strandes, Reitunterricht für Anfänger und Fortgeschrittene sowie Fahrten mit Ponys für Kinder angeboten.
Text: aa
Foto: Pferdetheater, mb
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