Senioren fl√ľchten am Heiligabend ins Krankenhaus

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In der Weihnachtszeit wird das Swinem√ľnder Krankenhaus wieder verst√§rkt √§ltere, einsame Menschen aufnehmen, die von ihren Familien versto√üen wurden. So eine Situation wiederholt sich in jedem Jahr. Am Heiligabend 2015 befanden sich in der Inneren Abteilung des Krankenhauses insgesamt 19 Patienten, davon fast die H√§lfte Senioren. Am letzten Weihnachtstag hingegen lagen auf der mit 38 Betten ausgestatteten Station bereits 24 Patienten, w√§hrend andere Stationen v√∂llig leer waren.

‚ÄěZu uns kommen Patienten, die laut ihrer Familien dringende √§rztliche Hilfe oder Pflege ben√∂tigen. Das sind meist √§ltere, kranke und gebrechliche Menschen. Ihre Krankheitsgeschichte ist oft sehr komplex, aber stabil. Es gibt keine offensichtliche, pl√∂tzliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Die Familie hingegen gibt Entw√§sserung, Appetitlosigkeit, Apathie an. Nach der Aufnahme stellt sich heraus, dass der Patient einen guten Appetit hat, nach entsprechenden Untersuchungen wird keine Entw√§sserung festgestellt und die Verschlechterung der Gesundheit erfolgt oft aufgrund unregelm√§√üiger Medikamenteneinnahme‚Äú, erkl√§rt die Gesch√§ftsf√ľhrerin des Krankenhauses, Dorota Konkolewska.

Au√üerdem gibt es eine Gruppe von Weihnachts Patienten, die bewusst f√ľr die Weihnachtszeit aufgenommen werden will. Sie kommen mit einer gepackten Tasche. Sie wollen Heiligabend nicht allein im Haus essen. Oft haben sie auch keine Kraft dazu, das Fest vorzubereiten. Sie erkl√§ren die pl√∂tzliche Verschlechterung der Gesundheit durch Blutdruckproblemeund Blutzuckerst√∂rungen. Sie wollen nicht zur√ľckgewiesen werden. Manchmal hat sińô die Familie zum Heiligabend nicht eingeladen.

‚ÄěWenn sie dann im Krankenhaus aufgenommen werden, erfreuen sie sich eindeutig der Gesellschaft anderer Menschen‚Äú, sagt Dorota Konkolewska.

Ewa Borek von der Stiftung MY Pacienci betont, dass das Problem nicht nur in familiären Beziehungen liegt, aber auch durch die Betrachtungsweise des Staates. Ihrer Ansicht nach hat die Familie keine alternative Form der Betreuung von älteren oder chronisch kranken Personen.

‚ÄěDie Familie hat die Wahl: Das Haus oder das Krankenhaus? Manchmal wird das Krankenhaus gew√§hlt. Der Staat unterst√ľtzt die Familien nicht, die sich entschlie√üen, √§ltere Menschen zu Hause zu pflegen. Die Krankenh√§user sind das Sicherheitsventil des versagenden Gesundheitssystems und des Mangels an guter Organisation der Pflege vor und nach dem Krankenhausaufenthalt‚Äú, sagt Ewa Borek.

Quelle: Ostsee Zeitung

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