Inseln vom Fahrradsattel aus

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Während des Aufenthaltes auf der Insel darf man nicht den Ort verpassen, an dem sich vor 100 Jahren die damalige Elite der Gesellschaft aus den Bereichen der Politik, Finanzen und Kunst versammelt hat: die Seepromenade, die die vier elegantesten Ostseebäder des ehemaligen Preußen miteinander verbindet. In der Hochsaison ist hier viel Verkehr, vor dem auf den nah gelegenen, romantischen und mit Wald bewachsenen Hügeln und an Waldseen, wie dem Wolgastsee, Zuflucht zu finden ist. Wir machen das gleiche, was unsere Urgroßväter
während ihrer Sommerausflüge damals taten (hier haben nämlich auch Polen Erholung genossen) – und fahren dorthin.

Vom westlichsten Ende der Seepromenade – an der Kreuzung der Żeromskiego und Bałtycka Straße – fahren wir auf dem Fahrradweg im Wald nach Westen in Richtung der Grenze (hier
verläuft ein gekennzeichneter Fahrradweg, der nach Lyonel Feininger benannt wurde). Nach einigen hundert Metern erreichen wir den grünen Streifen des Niemandslandes, das wir über
Betonplatten durchqueren.

GRENZE
Vor einigen Jahren war die Grenze wegen Stacheldrahtzäunen und ständigen Patrouillen ein Schreckensort. Nach dem Mauerfall wurden die Befestigungen abgebaut. Reguläre Patrouillen des Grenzschutzes gab es bis Ende 2007, bis zum Beitritt Polens zum Schengener Abkommen.

Ein gut befestigter Waldweg führt uns weiter nach Westen. Indem wir an Strandausgängen weiter vorbeifahren, erreichen wir eine der Fahrrad-Hauptrouten der Insel, die Ahlbeck und Wolgast verbindet. Auf der linken Seite passieren wir zunächst die ersten Gebäude von Ahlbeck, und erreichen endlich die gepflasterte und mit Bäumen bewachsene Promenade, an der die elegantesten und ältesten Pensionen des Kurortes liegen.

PROMENADE UND MEERESVIERTEL
An der Wende des XIX. und XX. Jahrhunderts verfügten die sog. Kaiserbäder über eine Spazierroute von 16 km, die sich von der Mündung der Swine bis zum Seebad Bansin erstreckte. Diese Kurpromenade galt damals als die längste in Europa. Die Pensionen
in Ahlbeck wurden dank ihrer Gäste in den Geschichtsblättern verewigt. In einer dieser Pensionen ist 1924 der geniale Roman von Thomas Mann „Der Zauberberg“ entstanden. 1905 beherbergte der „Ahlbecker Hof”, das repräsentativste Hotel des Ortes, den Kaiser
Österreich-Ungarns, Franz Joseph I.

Nach ca. einem Kilometer kommen wir zu einem großzügig angelegten Platz vor der Seebrücke. Um sich die Seebrücke anzuschauen, muss man das Fahrrad an der Promenade abstellen.

SEEBRÜCKE
Obwohl die Seebrücke in Ahlbeck höchstens „ein Aschenputtel” im Vergleich zu den byzantinischen Strandbauten in Heringsdorf, Świnoujście und Międzyzdroje war, hat sie es irgendwie geschafft, die vernichtende Wirkung der Natur und der Menschen zu überstehen.
Heutzutage ist das restaurierte und mit Betonpfeilern befestigte Restaurantgebäude auf der Seebrücke (gebaut 1898) das letzte Holzdenkmal der Bäderarchitektur in der Umgebung.
Von der Seebrücke fahren wir Richtung Świnoujście. Nach einigen Metern biegen wir rechts in die Kirchstraße ab. Wir fahren bis zum Ende dieser Straße, bis wir links die hiesige Kirche passieren.

EVANGELISCHE KIRCHE
Die rapide Zunahme der Urlauberzahl an der Wende vom 19. Zum 20. Jahrhundert sorgte für den Bau vieler neuer Kirchen. Eine davon war die Ahlbecker Kirche, die in den Jahren 1894-95 errichtet wurde.

Wir biegen in die Wilhelmstraße ab und erreichen die Hauptverkehrsader – die Lindenstraße. Wir biegen in diese Straße ab, und fahren in Richtung Świnoujście. Einige hundert Meter weiter, hinter der Kurve, kommen wir zu einer Stelle, an der die Straße breiter wird. Rechts sehen wir eine Grünanlage und einen Friedhof mit Gräbern russischer Soldaten. Wir biegen rechts ab in die kleine Allee, die zum Ahlbecker Bahnhof führt.

AHLBECK BAHNHOF
1911 wurde das Bahnhofsgebäude seiner Bestimmung übergeben. Gleichzeitig wurde eine neue Bahnstrecke zum Swinemünder Hauptbahnhof (in Betrieb bis 1948) auf der linken Seite der Swine eröffnet. Dadurch entstand eine Verbindung dieser Stadt mit den übrigen Ostseebädern der Insel Usedom, die bis zur damaligen Fährüberquerung über die Peene in Mahlzow reichte.

Vom Bahnhof fahren wir weiter Richtung Świnoujście an der Straße Am Bahnhof entlang, bis zum Ende dieser Straße. Zunächst erreichen wir im Buchenwald die gekennzeichnete Fahrradroute Ahlbeck – Usedom. Die nächsten zwei Kilometer sind die schwersten des ganzen Ausflugs: wir fahren einen mit Splitt befestigten Weg und besteigen mehrere ziemlich hohe Berge des Ahlbecker Waldes. Endlich kommen wir zum Urlaubsdorf Korswandt.

KORSWANDT
Diese Ortschaft wurde in mittelalterlichen Chroniken verewigt. Der Grund dafür war u.a. der letzte Auerochse im Herzogtum Pommern – Wolgast, der hier 1360 durch Herzog Wartislaw V. erlegt wurde. Die hiesigen Wälder und Moorgebiete waren bekannt dafür, dass hier
der Vorfahren der heutigen Kuh lebten – das Thur (davon zeugt der heutige Name der nahe gelegenen und meliorierten Sumpfgebiete „Thurbruch”).

Die Fahrradroute führt uns zur Hauptstraße, hinter der sich der Strand mit der Ausleihstelle für Wassersportgeräte sowie ein Café am im Wald gelegenen und bezaubernden Wolgastsee befindet. Wir fahren die Nordroute um den See herum, einem gekennzeichneten Fahrradweg, entlang in Richtung Grenze. Vor uns liegen die letzten vier Kilometer unseres Ausfluges, die über einen unbefestigten und hügeligen Waldweg führen. Endlich erreichen wir den Grenzstreifen. Hier biegt der Weg nach Norden ab. Wir nutzen die Bahnüberquerung (Vorsicht!) und erreichen die Hauptstraße Ahlbeck – Świnoujście. Wir biegen rechts ab und
nach ein paar hundert Metern kommen wir zur Ortsgrenze von Świnoujście. Hier endet unser Ausflug.

Inseln vom Fahrradsattel aus

Gute Idee, dieser Tipp für eine Radtour.
Das Problem: Einheimische kennen das, aber wie kommen unsere Gäste/Touristen an diese und andere wertvollen Informationen von balticportal?

Usedom-Willi

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