Grenzöffnung zwischen Adria und Ostsee

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In der vergangenen Woche ging in Swinemünde eine auch für die Usedomer Grenzregion sehr interessante dreimonatige Filmtournee mit vierzig Aufführungen zu Ende. Im Liceum Mieszka Pierwszego zeigten vor polnischen und deutschen Schülern sowie Vertretern der Stadt Swinemünde und der Gemeinde Heringsdorf Simon Brunel (27) und Nicolas Pannetier (31) ihren Dokumentarfilm unter dem Titel „Boarder Speaking“ (Grenzgepräche).

Die beiden in Berlin lebenden französischen Architekten haben sich von sieben Bewohnern des Grenzlandes zwischen den neuen Schengen-Ländern „im Osten“ Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien und „im Westen“ Deutschland, Österreich Italien vor Mikrofon und Kamera ihre Wahrnehmung der Grenze „vor und nach Schengen“ schildern lassen. Der entstandene etwa einstündige Film belegt auf besondere Art die enormen Veränderungen in diesem Teil Europas, vor allem aber die Sicht und die Gefühle der betroffenen Menschen angesichts neuer Möglichkeiten und ganz persönlicher Lebensperspektiven.

Befragt wurden ein deutscher Bundespolizist an der sächsisch-tschechischen Grenze, der zu einer ganz geschäftsmäßigen Bewertung kommt, aber auch die Überwindung der berühmten „Grenze in den Köpfen“ anspricht. Ein ehemaliger ungarischer Grenzsoldat baut in fast skurriler Weise sein Museum des Eisernen Vorhangs. Eine slowakische Erzieherin vermittelt in österreichischen Kitas den Kindern ihre Muttersprache. Ein tschechischer Försters an der Grenze zu Österreich sucht Spuren der Vergangenheit, ein polnischer Baustoffhändler südlich von Stettin berichtet temperamentvoll über seinen Lebensweg. Eine in einem slowenischen Weinberg lebende österreichische Ruheständlerin schreibt melancholische Gedichte.

Eine slowenische Fremdenführerin schildert ein Freudenfest von Italienern und Slowenen in der Nacht zum 21. Dezember 2007 im italienischen Gorizia und dem slowenischen Nova Gorica (Görz), wo die Grenze mitten durch die Stadt, über einen Bahnhofsvorplatz verläuft. Auf ihm haben sich die Menschen in jener Nacht genau so gefreut wie am Grenzübergang Ahlbeck-Swinemünde. Der Film wurde in letzten Vierteljahr zwischen Adria und Ostsee gezeigt. Die beiden Macher waren mit der Resonanz auch in Swinemünde sehr zufrieden. Der Film zeigt Einwohnern unserer Region: Wir Deutsche und Polen auf Usedom sind mit unseren Erfahrungen nach der Grenzöffnung an der ehemaligen „Schengen-Grenze“ nicht allein. Daher wäre die Dokumentation auch geeignet, zukünftig Jugendlichen ein Stück europäischer Geschichte und Regionalgeschichte einfühlsam nahe zu bringen. Wer einen Eindruck bekommen möchte, erhält ihn (leider nur auf Deutsch) unter www.border-speaking.eu/trailer/de.

Wolfgang Abraham
Bild: Simon Brunel und Niclas Pannetier am „Grenz“strand auf Usedom

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